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Info-Mail Schach Nr. 770


Bobby Fischer - Schach-Genie und Exzentriker
(Quelle: Focus Online)

18.01.08, 17:28

Symbol des Antikommunismus┤, Verschwörungstheoretiker, Strafgefangener: Das
Leben des Ex-Schachweltmeisters Bobby Fischer verlief mitunter chaotisch.

Sein bewegtes Leben begann am 9. März 1943 in Chicago, wo Robert James
Fischer als Sohn eines deutschstämmigen Physikers zur Welt kam. Als er sechs
Jahre alt war, brachte seine ältere Schwester ihm die Regeln des
Schachspiels bei, das schnell zu seiner großen Leidenschaft wurde. Bereits
als 14-Jähriger gewann Fischer die nationalen Schachmeisterschaften für
Junioren und Erwachsene.

Da er die Schule auf seinem Weg zum Schachprofi als Zeitverschwendung ansah,
kehrte Fischer ihr 1959 den Rücken und widmete sich vollends dem
Schachspiel. Eine weitere akademische Ausbildung verfolgte Fischer, der
angeblich einen höheren Intelligenzquotienten als Nobelpreisträger Albert
Einstein hatte, danach nie wieder. Sein Image als Wunderkind machte Fischer
zum Star, der immer wieder durch exzentrisches Verhalten auf sich aufmerksam
machte. Nach einem für ihn nachteiligen Spielausgang beschuldigte er 1962
die Sowjetunion, das Spiel manipuliert zu haben. Wenig später trat Fischer
einer christlichen Sekte bei.

Triumph im Kalten Krieg

Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er 1972, als er auf Drängen des
damaligen US-Außenministers Henry Kissinger in Reykjavik gegen den
russischen Meister Boris Spassky im Kampf um den Weltmeistertitel antrat.
Fischer gewann dieses von Politik und Medien zum Duell zwischen Ost und West
stilisierte Match und beendete nicht nur die russische Vorherrschaft im
Schach auf internationaler Ebene, sondern wurde mitten im Kalten Krieg auch
zum Symbol des Antikommunismus┤.

Anstatt sich jedoch seinen Herausforderern zu stellen, beendete Fischer
danach seine Karriere. Als der Internationale Schachverband 1975 seinen
Titel neu vergeben wollte, protestierte er lautstark. Obwohl seine Sekte ihn
finanziell ruiniert hatte und Veranstalter ihn mit millionenschweren
Angeboten lockten, setzte sich Fischer nicht mehr öffentlich an ein
Schachbrett. Erst 1992 willigte er ein, für ein Preisgeld von 3,35 Millionen
Dollar noch einmal gegen Spassky anzutreten. Mit dem Russen verband ihn
mittlerweile eine Freundschaft.

Flucht vor der Heimat

Zwei Jahrzehnte, nachdem sein Triumph gegen Spassky Fischer zum
Nationalhelden in den USA gemacht hatte, überwarf er sich aufgrund dieses
Spiels in Montenegro mit seinem Heimatland USA. Denn aufgrund des
UN-Embargos gegen das damalige Jugoslawien galt den US-Behörden die Prämie,
die Fischer als Sieger kassiert hatte, als verbotene finanzielle
Transaktion. Da ihm fortan in den Vereinigten Staaten zehn Jahre Haft
drohten, lebte Fischer auf den Philippinen und in Japan.

In der Folgezeit machte Fischer besonders durch polemische Äußerungen auf
sich aufmerksam. Wiederholt formulierte der Sohn einer jüdischen Mutter
antisemitische Verschwörungstheorien. Die Terroranschläge vom 11. September
2001 in den USA bezeichnete er als äwunderbare Neuigkeiten˘. Im Jahr 2004
wurde er in Japan mit einem abgelaufenen Pass erwischt und für acht Monate
inhaftiert. Anschließend ließ er sich in Island nieder, um einer drohenden
Auslieferung an die USA zuvorzukommen.

Nach Angaben des isländischen Fanclub-Vorsitzenden Einar Einarsson litt
Fischer an einer Nierenkrankheit. Medizinische Hilfe habe er jedoch nicht in
Anspruch genommen, weil er der westlichen Medizin mißtraut habe. Fischer
starb am Freitag im Alter von 64 Jahren an Nierenversagen.

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